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Reisen heisst Leiden - Unterwegs in Peru
Was treibt einen Teltower in die große, weite Welt und was erlebt man als Rucksacktourist wirklich? Marcel Eichenseher erfüllte sich seinen Traum und reiste 363 Tage lang als Rucksacktourist durch Südamerika. Während dieser Zeit berichtet er seine Eindrücke und Erlebnisse per Email an die Verbliebenen in der Heimat. Nach seiner Rückkehr entstand dieser witzige und unterhaltsame Reisebericht, in dem er beschreibt was es heißt, alle Verpflichtungen hinter sich zu lassen und ein ganzes Jahr sein persönliches Abenteuer zu leben. Illustriert mit unzähligen bildgewaltigen Fotografien nimmt er den Leser mit auf die Reise.
Lesen Sie wöchentlich eine neue Episode aus dem Reisebericht: „Per Email durch Südamerika - Geschichten einer Rucksackreise" (Reiseübersicht). 17. Reisen heißt Leiden136 Tage unterwegs, Huaraz - Peru, 01-07-2005 Hallo Ihr alle! Ich erhalte immer wieder Nachrichten, die zu erkennen lassen, dass man(n) allgemein davon ausgeht, dass das hier alles Spaß und Erholung sei - womöglich fleischliche Genüsse eingeschlossen. Dem ist mit Nichten so! Eher trifft das Gegenteil zu - Reisen bedeutet Schmerzen, Qualen und Entbehrung. Exemplarisch möchte ich Euch daher einen kleinen Auszug physischer Leiden eines Reisenden (Teil 1) zukommen lassen. Es handelt sich dabei um 20 Stunden meines Reisealltages (vom 27.06.2005, 17.00 Uhr bis 28.06.2005, 13.00 Uhr). Um eine ungestörte Entfaltung unserer Jugend zu gewährleisten, kann ich diese Mail nur für Personen ab 18 Jahre freigeben. Mein Bericht beginnt mit der 13-stündigen Busfahrt von Cusco (3.400 Höhenmeter) nach Nasca (700 Höhenmeter). Die Piste durch die Anden schlängelt sich bergauf, doch meistens bergab. Die Serpentinstrecke verursacht ruckartige Körperbewegungen sowohl in der Waagerechten als auch in der Horizontalen. Der Kopf schlägt von rechts nach links und umgekehrt und wieder zurück und das stundenlang als Endlosschleife. Das ist wie stundenlang beim Tennis zusehen. Da wir eine "Luxus-Busgesellschaft" gewählt hatten, gab es auch was zu essen. (Ich lehnte höflich ab.) Nach der Essensausteilung wurden sogleich die Kotztüten ausgegeben. Im Gegensatz zum Essen gab es bei den Tüten aufgrund der riesigen Nachfrage auch Nachschlag. Zwar hielten sich die Fahrgeräusche des Busses in Grenzen - die der Fahrgäste jedoch weniger. Nun weiß ich zwar, dass Ohren mit zunehmenden Alter wachsen (sind Euch noch nie die riesigen Salatblätter an alten Rüben aufgefallen?), doch wie ist es eigentlich mit dem Geruchssinn? Ich habe nämlich den Eindruck, dass ich diesbezüglich immer sensibler reagiere. Die Scheiben im Bus waren vom Gehechel der Fahrgäste beschlagen und die Luft war geschwängert von kaltem, feuchten Eau de Toilette "Axelschweiß und Küchenrauch", vermischt mit dem süßlichen Duft aus Erbrochenem. Das Ganze ist dann so, als sitze man in einem Shaker mit faulen Früchten - brrrrr! Hinzu kamen Knieleiden, da man die Beine nicht richtig ausstrecken konnte. Vor allem mein Lieblingsknie - von mir aus betrachtet links - (hat es mir doch in meiner 12-jährigen polytechnischen Schulausbildung immer eine Eins im Dreisprung eingebracht), verlangte nach Bewegung. Dies war jedoch schwer zu bewerkstelligen, da im Gang neben mir jemand schlief. Als Film zeigten sie im Bus "Braveheart" in der P18-Version und ich kam mir vor, wie Mel Gibson als er am Ende des Films gefoltert und letztendlich geköpft wurde.
Früher (als ich noch jünger war), hab ich mich immer amüsiert, wenn sich ältere Menschen über ihre Leiden und Krankheiten unterhielten, als gäbe es nix anderes mehr im Leben. Doch mittlerweile muss ich zugeben, dass auch mir diese Zeilen locker von der Hand gehen. Im Supermarkt zu hause hört man oft die Worte "Und, wie geht's?" Die Antwort des angegreisten Gegenübers lautet dann zumeist: "Muss ja!" Darum will ich jetzt auch aufhören zu klagen, denn das Unvermeidbare muss man wollen (buddhistische Weisheit). Schmerzen und Qualen habe ich mittlerweile als festen und unumstößlichen Bestandteil des Reisens anerkannt. Ich hoffe, ich konnte ein realistischeres Bild über das Langzeitreisen vermitteln.
Als Anhang schicke ich Euch ein Bild von einem Hähnchenschnitzel. Die Pommes, der Reis und der Salat liegen darunter. Auch das ist ein Beispiel vom harten Traveller-Alltag. Ich habe mich die ganze Nacht vor Schmerzen gekrümmt! ;-) bis denne Euer Marcel P.S. Nein, ich stehe nicht unter Drogen. Nein, die Sonne treibt kein böses Spiel mit mir. Ja - ich bin gut drauf. Arbeitslos und Spaß dabei!
Die Linien wurden gezogen, indem man die durch die Sonneneinstrahlung gedunkelten Steine vom Wüstenboden entfernte und so die unteren, helleren Steine zum Vorschein brachte. Die Linien entstanden zwischen 900 v. und 600 n. Chr. Bezüglich ihre Aufgabe und Bedeutung gibt es vielfältige Theorien. 18. We are the champions!148 Tage unterwegs, Huaraz - Peru, 13-07-2005 Salute Ihr Fernweh-Süchtigen! Da bin ich wieder - Körper und Geist frisch entgiftet! Nachdem sich meine letzten Mails thematisch eher mit negativen Randbereichen meiner Reise beschäftigt haben (Unruhen in Bolivien, Abzocke rund um Machu Picchu, Tütenkultur im Transportwesen), weiß ich heute nur Positives zu berichten. Meine letzten Tage verbrachte ich in der Gebirgsregion Cordillera Huayhuash auf einer der anspruchsvollsten, aber auch einzigartigsten Trekkingtouren Perus, welche nur bei entsprechender Höhenakklimation, Kondition und Trekkingerfahrung angegangen werden sollte (so der Trekkingführer).
Na ja, vielleicht sollte ich den Ball etwas flach halten, denn so frei waren die Gedanken dann manchmal doch nicht, wenn man den Pass hinaufkeucht und sich fragt; "Warum mach ich diese Schei... bloß?" Oben angelangt reichte die Puste meist nicht mal mehr, um in Rocky-Pose den gefürchteten Kampfschrei (japanisch: ki-ai) ins Tal zu brüllen, sondern lediglich leise den Queen-Song "We are the champions (no time for losers)" vor sich hinzusummen.
Das Tal, in dem wir campten, lag hinter einem angestauten See. Gerade als wir unser Mittagssüppchen am Bach vor unserem Zelt kochten, muss jemand den Stöpsel vom See gezogen haben. Binnen Minuten schwoll unser kleiner ruhiger Bach zu einem reizenden Strom an, der über die Ufer trat. Mit leichter Panik lösten wir schon einmal die Heringe vom Zelt. Ist aber noch mal alles gut gegangen.
Zusammengefasst war es eine einmalige Tour, an deren Ende Erinnerungen an fantastische Landschaften, wohlgeformte Beine, gebräunte Haut (ramponierte Füße und durchgescheuerte Hüftknochen) bleiben. bis denne Euer Marcel Kommentare (1)
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