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Auf dem Rio Napo
Was treibt einen Teltower in die große, weite Welt und was erlebt man als Rucksacktourist wirklich? Marcel Eichenseher erfüllte sich seinen Traum und reiste 363 Tage lang als Rucksacktourist durch Südamerika. Während dieser Zeit berichtet er seine Eindrücke und Erlebnisse per Email an die Verbliebenen in der Heimat. Nach seiner Rückkehr entstand dieser witzige und unterhaltsame Reisebericht, in dem er beschreibt was es heißt, alle Verpflichtungen hinter sich zu lassen und ein ganzes Jahr sein persönliches Abenteuer zu leben. Illustriert mit unzähligen bildgewaltigen Fotografien nimmt er den Leser mit auf die Reise.
Lesen Sie wöchentlich eine neue Episode aus dem Reisebericht: „Per Email durch Südamerika - Geschichten einer Rucksackreise" (Reiseübersicht). Ecuador Ecuador ist etwas kleiner als Deutschland und hat nur 11 Mio. Einwohner, wovon über 1 Mio. in der Hauptstadt Quito leben. Landeswährung ist der amerikanische Dollar. Die Galápagos-Inseln als eines der letzten Tierparadiese dieser Welt gehören zu Ecuador und liegen fast 1.000 km von der Küste entfernt im Pazifik. Das Reisen in Ecuador ist weitestgehend sicher und einfach. 21. Hängematte auf dem Rio Napo181 Tage unterwegs, Quito - Ecuador, 16-08-2005
¡Hola!
Das Boot war so vollgeladen, dass es bis zur Oberkante im Wasser lag und das übertretende Wasser abgepumpt werden musste. Aufgrund des Tiefganges strandeten wir unentwegt - die Fahrzeit von drei Tagen war eh illusorisch, wir stellten uns innerlich auf eine Woche ein. Ich hatte mir die Fahrt so schön romantisch vorgestellt und auch ein paar "Genussmittel" mit eingepackt und jetzt kam man noch nicht einmal mehr aus seiner Matte heraus.
Katja klappte am zweiten Tag ab, was bei der Hitze und der Verpflegung nicht verwunderlich ist. Natürlich wurde ich sofort zum Ort des Geschehens gerufen. Eine Transe hatte zu diesem Zeitpunkt schon ihr Tuntenparfum zur Kühlung über ihren Kopf ausgeschüttet und hielt ihr 96%-igen Alkohol unter die Nase. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich, dass Katja sicher schwanger von mir sei und ihr Ring am Finger war ja sicher unser Hochzeitsring. Na toll! Werd ich auch noch mal gefragt? So hockte ich gemeinsam mit der Koch-Transe über Katja gebeugt und kam mir etwas überrannt vor. Das mit Frau und Kind ging mir dann doch irgendwie etwas zu schnell. Na zumindest hielt mir dieses Missverständnis die Homos vom Leib.
Die hygienischen Bedingungen könnt Ihr Euch ja selbst ausmalen. Irgendwie musste ich öfters an Gefangenentransporte denken. Mein 900 Seiten starkes Buch hatte ich schon am fünften Tag ausgelesen - Zeit, die ich jetzt mehr mit meiner "Frau" ausfüllte. Leider hatten wir zu wenig Alkohol mitgenommen und so blieb meist nix als die "ungeschönte" Realität.
Jeden Morgen fragten wir uns wie viel Tage wir wohl jetzt unterwegs sind und wie viele es noch werden, obwohl die Antwort eigentlich völlig egal war. Unsere "Hochzeitsreise" sollte letztendlich eine Woche dauern. Eine Woche mit Vollpension für schlappe 25 Euro - so billig ließe sich das sicher nicht noch einmal wiederholen. Aber ob Ihr es glaubt oder nicht - das Ganze war eine der besten Sachen, die ich hier gemacht habe. Schwer vorzustellen, was? Die Bootsfahrt bedeutete neben allen Widrigkeiten eine Woche lang mit den Einheimischen Schulter an Schulter zu leben und keinerlei der sonst üblichen Touri-Annehmlichkeiten zu haben. Außerdem genoss ich es einfach nur so rumzuhängen (im wahrsten Sinne des Wortes) und ein gutes Buch zu lesen zwischen stillenden Müttern, hungrigen Tieren, urinierenden Babys und mit einer sehr entspannten Katja.
bis denne
2. Panamahüte in Ecuador194 Tage unterwegs, Riobamba - Ecuador, 29-08-2005
¡Bon dia!
Also entschied ich mich für eine Tour auf die Isla la Plata (Silberinsel). Die „Galápagos-Insel für Arme" liegt 20 km vor der Küste. Auf der Bootsfahrt dorthin kann man jede Menge Wale beobachten, doch das Schaukeln auf den Wellen in so einem kleinen Boot übersteht nicht jeder „unbefleckt". Fast noch mehr hat mich aber der Blaufußtölpel interessiert. Dieser recht große Seevogel hat stechend gelbe Augen und blaue(!) Entenfüße - zum Schreien komisch. Die Silberinsel ist voll mit diesem Federvieh und kostet einem jede Menge Filmmaterial.
In Cuenca lief mir meine "angetraute" Katja wieder vor die Füße, gerade als ich ein Telefon suchte, um sie anzurufen. An derart Zufälle glaub ich schon lange nicht mehr. Gemeinsam ging es weiter in den Süden in ein Bergdorf namens Vilcabamba. Angeblich leben hier die ältesten Menschen Ecuadors, wenn nicht sogar der ganzen Welt und damit wohl auch des ganzen Universums. Die uns empfohlene deutsche Unterkunft hatte Bungalows mit Blick auf die umliegenden Berge, Bratkartoffeln, einen Pool, Spätzle, jede Menge Hängematten, Knödel, eine Bar mit Billardtisch, Gulasch, Möglichkeiten zum Reiten, Massage, Reiki (Handauflegen zur besseren Energieverteilung) und deutsche Küche. Ich hatte gehofft, entspannte Leute hier anzutreffen, stattdessen gab es jede Menge deutschsprachiger Spinner, die zum Frühstück ihre Kristalle mit frischer Sonnenenergie aufladen mussten und auch sonst kein leichtes Leben haben. Mir reichte jedoch die Ruhe und ein lustiges Buch in der Hängematte, um meine innere Mitte auszupendeln. Kaum war ich vor drei Wochen im Hafen der Ehe gestrandet, befand sich mein Akku auf absoluten Niedrigstand. (Nee, nee - nicht was ihr wieder denkt!) Keine Ahnung, was mit mir los war. Auch wenn es eigentlich niemanden interessieren mag, war das ein echtes Problem, denn die einzigste Frage, die sich mir hier stellt, ist die Frage „Was will ich hier?" An der Bar musste ich mir dann auch noch von so einer 3-Wochen-Urlaub-mit-Papa-Bayerin sagen lassen, dass man(n) wohl etwas neben der Spur läuft, wenn man mit 34 noch keine Familie gegründet hat, Kombi fährt und ein Haus baut. Ich warf einen kurzen Blick auf Katja an meiner anderen Seite und meinte, dass mit der Familie geht manchmal schneller als/wie einem lieb ist. Im Übrigen reichte mir ihre Haarfarbe als Entschuldigung für diese geistige Diarrhö. Gleichwohl musste ich den restlichen Abend ganz viel Cuba Libre trinken und traurige Musik von Skin hören. Doch das Tief ist überstanden! Nach einem erfolgreich durchgeführten internen Krisenmanagement ging es allein weiter gen Norden nach Alausi. Dort gibt es in atemberaubender Berglandschaft ein Eisenbahnerlebnis der Extraklasse - man sitzt nämlich auf dem Dach der Güterwagons! Gegen Aufpreis bekommt man sogar ein Sitzkissen, um es sich auf dem heißen Wellblechdach bequem zu machen.
Ansonsten seid alle lieb gegrüßt und habt eine schöne Woche Kommentare (1)
![]() Blaufußtölpel geschrieben von Lisa Fields, Februar 04, 2008
... dieser vogel ist echt der Hammer. Nirgends im Web gibt es ein schöneres Foto von diesem Kollegen ;-)
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