myrego - Das regionale Stadtmagazin für Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf
Die wichtigen Menschen
Sie haben vergessen, dass nicht Geld sexy macht, sondern Humor. Den allerdings haben sie im Lauf der Jahre verloren. Sie hatten einfach keine Zeit. Kommentare (1)
![]() Oh ja, die wichtigen Menschen. geschrieben von Kay, Mai 09, 2008
Zu diesem Beitrag fallen mir doch gleich die Emails mit Vermerk "höchste Priorität" ein. Die landen in meinem Outlook immer ganz oben und lassen meinen restlichen Emailverkehr in Bezug auf "Wichtigkeit" verblassen ...auch wenn sich der Inhalt dann nur auf einen "schönen Gruß" oder auf ein "Danke, ich habe Ihre Mail erhalten" beschränkt. ;)
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Die nicht ganz so wichtigen, die aber besonders wichtig tun, hocken in der 2. Klasse. Sie besitzen ein Notebook und schreien permanent nach einer Steckdose. Sie haben einen vollen Terminkalender und ein ständig bimmelndes Mobil-Telefon. Sie verfügen über eine laute Stimme und akzeptieren keine Funklöcher. Sie haben eine Frühaufsteher-Sekretärin ohne Privatleben, damit auch morgen 6:30 Uhr schon die ersten Transaktionen und Anschisse durchgeführt werden können.
Sie lesen die „Financel
Times" oder das „Handelsblatt" und greifen gerne, wenn es keiner sieht, nach dem „Playboy". Sie jetten von Tokio nach Las Vegas, manchmal sind sie in München oder Frankfurt/Main. Sie steigen immer in „ihre Maschinen" und trinken nur dort Tomatensaft.
Verschwinden die Anschnallzeichen, zerren sie ihre Notebooks aus der Hutablage. Sie bereiten ständig Präsentationen vor und fummeln in ihren Excell-Tabellen herum. Meistens schauen sie sich Trickfilme an. Sie haben riesiges Handgepäck und billiges Rasierwasser. Sie sind müde und sehen auch so aus. Sie sind immer im Spiel und immer im Geschäft.
Sie haben ein Foto von den Kindern in der Geldbörse und manchmal ein Foto von ihrer Frau, als die noch sehr
jung und ganz glücklich war. Sie sind echte Player und echte Macher. Sie machen kaum Urlaub, denn sie dürfen nie fehlen. Sie sind unersetzbar und irgendwie auch unerreichbar. Im Hotel sitzen sie allein an der Bar, trinken ihr Bierchen und schalten danach auf PayTV. Sie wissen alles über Aktienmärkte und Umsatzrenditen, sie kenne n sich aus mit der Globalisierung und wissen mit ihrer freien Zeit nichts mehr anzufangen. Sie hetzen zu Meetings und hängen in Telefonkonferenzen. Sie veranstalten Breakfast-Brainstormings und Jour Fixe. Sie tauschen gerne Visitenkarten aus und bereiten den nächsten Deal vor.
Sie treffen sich auf Messen und Kongressen. Sie leiden unter Achselschweiß.
Sie sind zuvorkommend und sehnen sich nach Ruhe, was sie nie zugeben würden. Ohne ihr Mobil-Telefon sind sie nur halbe Menschen. Ohne Outlook fühlen sie sich wie Robinson Cruso. Sie schreiben gerne sonntags oder nachts e-mails. Ihr Tag hat gefühlte 48 Stunden, benötigen würden sie allerdings 72. Es gibt einfach so viel zu besprechen. Sie sitzen gerne in der ersten Reihe und schütteln die Hände noch wichtigerer
Menschen.
