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Ecuador ade - Kolumbien, ich komme!
Was treibt einen Teltower in die große, weite Welt und was erlebt man als Rucksacktourist wirklich? Marcel Eichenseher erfüllte sich seinen Traum und reiste 363 Tage lang als Rucksacktourist durch Südamerika. Während dieser Zeit berichtet er seine Eindrücke und Erlebnisse per Email an die Verbliebenen in der Heimat. Nach seiner Rückkehr entstand dieser witzige und unterhaltsame Reisebericht, in dem er beschreibt was es heißt, alle Verpflichtungen hinter sich zu lassen und ein ganzes Jahr sein persönliches Abenteuer zu leben. Illustriert mit unzähligen bildgewaltigen Fotografien nimmt er den Leser mit auf die Reise.
Lesen Sie wöchentlich eine neue Episode aus dem Reisebericht: „Per Email durch Südamerika - Geschichten einer Rucksackreise" (Reiseübersicht). Kolumbien Kolumbien ist gut dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur halb so viele Einwohner. In der Hauptstadt Bogota leben davon rund 5 Millionen. Die Kolumbianer zählen neben den Brasilianern zu den (gast)-freundlichsten Menschen des ganzen Kontinentes. In Kolumbien werden 90% des weltweiten Kokains hergestellt, was jedoch nicht von einer Reise abschrecken sollte.
Das Land hat noch sehr mit den Vorurteilen hinsichtlich seiner Sicherheit zu kämpfen - man wird hier kaum Kurzzeitreisende treffen. Gleichwohl ist Individualreisen möglich und kann „spannend" werden. 25. Ecuador adé - Kolumbien, ich komme!224 Tage unterwegs, San Agustin - Kolumbien, 28-09-2005
¡Buenos - mi amigos! ¿Todo bien? An meinem letzten Abend gab es dann noch ordentlich Schwitzhütte mit glühenden Steinen in einer Art Lehmiglu und der Abkühlung unter dem benachbarten Wasserfall (und wieder diesem „berauschenden" Kombucha). Nach meinem Dschungelparadies ging es nach Quilatoa, einem 4.000 m hohen Vulkankegel. In dem erloschenen Krater von drei Kilometer Durchmesser befindet sich eine riesige, grüne Lagune. Die Natur versetzt einen immer wieder ins Staunen. Der Blick in den Spiegel aber auch, als ich mir nach der Kraterumrundung mal wieder ordentlich das Ziffernblatt verbrannt hatte.
So ging es auf der wohl schlechtesten Straße der Welt nach San Agustin, der bedeutendsten archäologischen Stätte des Landes. Der etwa 60-jährige Führer der Ausgrabungsstätte entschuldigte sich erst einmal, dass er mir keinen Joint anbieten konnte. Er erklärte, dass ihm die Soldaten manchmal Touris für Führungen bringen und die Drogenhunde würden ihn dann immer anspringen, wenn er das Zeug bei sich trägt. Diese Ausrede wollte ich noch einmal gelten lassen. Das heißt aber nicht, dass ich eine "nüchterne" Führung bekam - so sind die Kolumbianer! Zu sehen gab es jede Menge Gräber und Steinstatuen. Bevor die Spanier hier alles platt gemacht haben, beherrschte man schon Kaiserschnittgeburten, Gehirn- und Herzoperationen. Es gibt Zeugnisse aus Afrika und Asien noch lange bevor Klobumbus hier strandete. San Agustin steckt voller Rätsel und es wird vermutet, dass noch 90% der Sachen im Dschungelboden verborgen liegen.
bis denne
26. Kleiderordnung und mehr235 Tage unterwegs, Villa de Leyva - Kolumbien, 09-10-2005
Grüß Gott alle zusammen! Neben dem Kaffee und der Freundlichkeit sind hier aber auch die Frauen recht augenfällig. Mittlerweile bin ich mir fast sicher, dass die Stretch-Hose eine Erfindung aus Südamerika ist. Ich glaube, ich hätte nix dagegen, wenn alle Frauen der Welt lange schwarze Haare und diese Karamellbräune hätten. Die Variation liegt dann immer noch im Kampfgewicht (und ein wenig im IQ). War das jetzt chauvinistisch?
Hier in Tierradentro wurde mir dann mal wieder bewusst, dass meine Kleiderordnung vielleicht nicht ganz dem Land angepasst ist. Auf meiner Erkundungstour traf ich nämlich auf eine Anti-Guerilla-Einheit, die in den Büschen lag. Man versicherte mir, ich könne ruhig meines Weges ziehen, der Feind liege auf der anderen Seite des Bergkammes. Vorsorglich erkundigte man sich aber, ob ich Frau(en) und Kinder habe. Na toll! Mit meinen festen, dunklen Trekkingboots, einer schwarzen Hose mit militant wirkenden Seitentaschen, einem olivgrünen T-Shirt und einem dunkelgrauen Basecap, sehe ich ja zum Glück auch schon von Weitem wie ein blöder Touri aus. Am liebsten hätte ich mir meine Fototasche über die Rübe gezogen aber auch die ist nur schwarz.
So besuchte ich in Salento eine Kaffeefarm, streifte durch den Nationalpark und genoss das Flair des Ortes. Die Region lädt zum länger Verweilen ein, wenn man die Ruhe seiner Einwohner mag, die mit Sombrero, Poncho und Gummistiefel in verrauchten Kneipen Billard spielen und ihren Kaffee aus riesigen chromglänzenden und über 100 Jahre alten italienischen Espressomaschinen genießen. Doch das Los des Reisenden ist es weiter zu ziehen und für mich hieß es weiter nach Bogota, der Hauptstadt des Landes.
Zu Zeiten als es noch keine Elektropost via Internet gab, war dies eine sehr beliebte Kontaktmöglichkeit. Ich kann mich erinnern, in der Hauptpost von Jakarta/Indonesien unter den 99 Schaltern den „Poste-Restante-Schalter" gesucht zu haben, um anschließend in Wäschekörben nach Post für mich zu suchen. Doch hier in Bogota/Kolumbien muss man das Datum benennen, an dem die Post angekommen ist, was praktisch unmöglich ist, wenn man noch nicht einmal genau weiß, ob man überhaupt Post bekommen hat. Nun denn, es gibt Schlimmeres.
Doch auch von hier ging es weiter gen Norden. So war ich gestern in Zipaquira, wo ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Gänsehaut in einem Kirchengebäude bekam. Die hiesige Kathedrale liegt nämlich in einem ehemaligen Salzbergwerk mit gigantischen Ausmaßen. Das Gestein ist jedoch schwarz und nicht weiß, wie man vielleicht vermuten könnte. Die riesigen Stollen mit bis zu 60 m Deckenhöhe sind nur dezent und indirekt am Boden mit zumeist blauem Licht beleuchtet und leise klingen Mönchgesänge durch das verzweigte Höhlensystem. Man passiert zunächst 14 riesige Stollengänge (wenn ich das richtig verstanden habe, die 14 Stationen, die Christus mit dem Kreuz zurücklegte) bis man in die eigentliche Kathedrale gelangt.
Hier und heute befinde ich mich aber in Villa de Leyva, einem weiß getünchten, kleinen Ort aus der Kolonialzeit mit Kopfsteinpflaster, schnuckeligen Kirchen und netten Restaurants. Beim Thema Restaurant fällt mir ein, dass der Franzose Carl zum Essen auf mich wartet. Carl ist so alt wie ich und ebenfalls mit dem Reisevirus infiziert. Er begann seine Südamerikareise am selben Tag und in derselben Stadt wie ich. Er hat dasselbe studiert wie ich und obwohl wir auf derselben Reiseroute schon an mehreren Orten zur selben Zeit waren, haben wir uns erst hier in Kolumbien getroffen. Witzig, was?
Dann seid mal alle lieb gegrüßt.
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