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Wir renovieren!

Geschrieben von Mandy Wolf
renovieren_teaser.jpgJahrelang werden die vergilbten Wände übersehen, die zwischenzeitlich grauen Fensterrahmen werden als schick und stylisch verkauft, doch dann - ganz plötzlich über Nacht kommt der Entschluß: Schatz, wir renovieren!

Die anfängliche Euphorie wird schnell im Keim erstickt, denn wenn Schatz denkt: „Da rufen wir mal eben eine flotte Malertruppe an!", dann hat es sich getäuscht. Und findet sich wieder in einem der unzähligen die deutschen Straßen säumenden Baumärkte, in dem nicht nur viele höchst interessierte Hobbymaler herum rennen, sondern auch andere Schatzis, weder interessiert noch begeistert. Denn eins ist klar: ist der Entschluß gefasst, erfolgt die Umsetzung.

Erster Schritt: Wir kleiden uns ein!
Praktisch muss die Kleidung sein und auf gar keinen Fall beengend. Der Mann soll dynamisch und kraftvoll wirken (Latzhose, ausgeleiertes T-Shirt), die Frau engagiert und fähig (kurze, ausrangierte Hose, ausgeleiertes T-Shirt, lustiges Papierhütchen). Auf keinem Fall darf man seinem eigentlichen Spiegelbilde ähneln.

Zweiter Schritt: Wir kaufen ein!
Der Stress beginnt. Farbe, Pinsel, große und kleine Rollen, Abstreifsiebe, Unmengen Klebeband und viele, viele Folien. Alles Markenware, na klar, Geiz ist eben nicht immer geil. Den Preisschock lindert die Vorfreude auf das nun beginnende Abenteuer.

Dritter Schritt: Wir kleben ab!
Die ersten Sorgenfältchen legen sich für den Ernstfall bereit. Sie sagt, sie klebt ab. Also fängt sie an und klebt eben ab. Er kommt hinzu und fasst sich an den Kopf. So wird das nichts. Kein Mensch klebt so ab!!! Er schaut sie scharf an, stellt ihren Verstand in Frage und...

Vierter Schritt: ...hält sie für eine dumme Kuh.

Fünfter Schritt: Wir malen die Wände weiß.
Das Abkleben ist überstanden. Er rollt die Decke und stöhnt wie ein Kohlenkutscher. Sie bewegt sich entlang der Scheuerleisten und pinselt still, schon ein bisschen verheult, vor sich hin. Im komplett bekleckerten Radio dudelt seichte Schlagermusik, es läuft - irgendwie. Bis er sich die Augen reibt und sieht, was seine offensichtlich in Sekunden verblödete bessere Hälfte da zurecht malt.

Sechster Schritt: Sie trägt sich mit Mordgedanken.
Sie meint es ernst. Der Teamgeist ist im Eimer, die Liebe in diesem Augenblick auch, sie will ihre alte verdreckte Wohnung wieder, er seine offensichtlich alles könnende Ex-Freundin. Die Katastrophe ist perfekt, aber: die Wohnung ist weiß, weiß wie die Unschuld.

Siebter Schritt: Es ist überstanden
Sie vertragen sich und alles ist gut. Sie sitzen auf ihrem alten Sofa zwischen ihren neuen Wänden. Sie sind zufrieden mit ihrem gemeinsam bewältigten Projekt. Er hält sich für den Größten und sie ihn auch, irgendwie. Nur wird sie bei der nächsten Aktion entweder schwanger oder eine Kur beantragen.

Mandy Wolf

Kommentare (3)Add Comment
hihi ...
geschrieben von Lisa Fields, Juni 12, 2007
kenn ich irgendwie ;-)
Lieber nicht...
geschrieben von Uli.P, Juni 13, 2007
Beim Malern lass ich das lieber meine Frau alleine machen. Nicht das ich ihr nicht gerne helfe, nur ist das Malern überhaupt nichts für mich. Ich will damit nicht sagen das es eine typische Frauenarbeit ist, aber ich bin in unserer (glücklichen) Bezihung der für´s Grobe, zum Glück fällt da nicht soviel Grobes an. :))
...
geschrieben von Kay B, August 02, 2007
Dazu fällt mir nur ein in solchem Zusammenhang gern zitiertes Sprichwort ein: "Lieber fünf Minuten Dumm gestellt als ein Leben lang gearbeitet". Jetzt macht halt die Frau die Arbeit.
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